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Und nun haben wir für die ein paar Geschichten aus anderen Ländern oder über Menschen anderswo. Viel Spaß beim Blättern und gute Unterhaltung auf den vier Seiten. |
- Geschichten 1
- Geschichten 2
- Geschichten 3
- Geschichten 4
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TEIL 1 |
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Zuerst geht es nach Indien. |
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Eine Reise nach Indien scheint wie eine Reise in eine andere
Welt. Und Indiens Götterwelt ist bunt und vielfältig, wie
das Leben selbst und verwirrend, wenigstens für uns
Europäer. Dem Hindu sind die Götter allerdings so
selbstverständlich wie das Essen und Trinken; sie gehören
zum Leben einfach dazu. |
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Ein Teil der Menschen glaubt an verschiedene Gottheiten. Man erhofft sich Beistand von ihnen in schwierigen Lebenslagen. Glauben ist aber auch immer Mittel der Herrschenden, ihre unwissenden Untertanen auszunutzen, Macht über sie auszuüben und auf Kosten der Armen zu Reichtum zu gelangen. Viele Naturereignisse sind heute Dank der Wissenschaft aufgeklärt und man kann sie nicht auf überirdische Kräfte zurückführen. Und außerdem hat verschiedener Glauben schon viele Kriege ausgelöst. |
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HINDUS |
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Es gibt fast unzählig viele Götter, Geister, heilige Tiere und
Pflanzen in Indien. Hinduismus ist eine indische Hauptreligion. Nicht zu vergessen der heilige Fluss Ganghes. Außerdem leben in einigen
Regionen auch noch Buddhisten, Christen und
Moslems. |
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Hoffentlich hast
du herausgefunden, welcher Gott auf dem Bild oben
zu sehen ist: Ganesha natürlich! |
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INDISCHE GÖTTERWELT |
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BRAHMA ist der Schöpfer, der höchste Gott. Er hat 4
Gesichter, die in die jeweiligen Himmelsrichtungen blicken.
Er sitzt in einem Streitwagen, von 7 Schwänen gezogen. In
der Hand hält er einen Rosenkranz, mit dem er die Zeiten der
Götter und Menschen zählt. Er lässt die Welt entstehen und
ist Vater aller Lebewesen. |
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SARASWATI spielt auf der Harfe und reitet einen Pfau.
Manchmal wird sie von Brahmas Schwänen
begleitet. Sie ist die Göttin der Kunst und
Weisheit. Sie wird in vielen indischen Familien
sehr verehrt, so dass die Kinder gute Noten aus
der Schule heim bringen mögen. |
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VISHNU ist mächtig, aber auch barmherzig. Er sorgt
für Ordnung und Moral in der Welt. Vishnu ist Indiens
zweitwichtigster Gott. Steigt Vishnu vom Himmel auf die Erde
herab, um Dinge in Ordnung zu bringen, wird er als Mensch
oder Tier wiedergeboren. Man nennt dies Inkarnation. |
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GARUDA ist Vishnus Leit- und Begleittier. Er ist der
Sonnenadler und wird von den Menschen als
Schlangenvernichter verehrt. |
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LAKSHMI ist eine schöne Frau, die auf einer
Lotusblüte sitzt. Sie ist Vishnus Gemahlin und Göttin von
Reichtum und Glück. |
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SHIVA ist der drittwichtigste indische Gott. Er ist
der Zerstörer und trägt eine Halskette aus Menschenschädeln.
An seinem Nacken ringelt sich eine Kobra und auf der Stirn
prangt ein drittes Auge. Er sitzt halbnackt auf dem Berg
Kailash und meditiert. Er ist aber nicht nur schrecklicher
Gott, sondern schenkt auch Leben. So glauben die Inder, dass
Zerstörung wieder neues Leben hervorbringt. Der Tod ist so
ebenso Teil des Lebens wie Geburt und Liebe. |
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PARVATI ist die Gemahlin Shivas und gleichzeitig
Totengöttin. Sie tritt in verschiedenen Gestalten auf, so
oft als KALI. Sie ist blutrünstig und muss alles zerstören,
da nur ewig währt, was man nicht sehen kann. |
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GANESHA - der Elefantengott. Er ist der beliebteste
indische Gott und wohnt unmittelbar auf der Erde. Für die
Inder ist er der Gott der Klugheit und des Lernens, und der
im Leben Hindernisse aus dem Weg räumt. Er steht für
Kraft, Erfolg und gutes Essen. Er entstand, als Shiva einem
Wächter wutentbrannt den Kopf abschlug und ihm einen
Elefantenkopf aufsetzte. Ganeshas Reittier ist eine Maus,
vor ihm steht eine Schale mit Süßigkeiten. Einmal hatte er
so viel Süßes gegessen, dass sein Bauch fast platzte.
Ganesha nahm eine Schlange und band mit ihr seinen Bauch
fest. Als der Mond das sah, lachte dieser. Ganesha
verfluchte den Mond. Daher kommt es, dass jeder, der beim
Ganesha-Fest in den Mond sieht, im folgenden Jahr einen
schlechten Ruf bekommt. |
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TEIL 2 |
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Märchen und Sagen aus Asien und Amerika findest Du auf dieser Seite. |
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REIS |
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Die Geschichte vom Reiskuchen. |
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In alter Zeit
lebten zwei alte Leute in einem kleinen Haus,
ein Mann und seine Frau. Sie aßen nichts lieber
als Reiskuchen. Eines Tages machte die Frau so
einen großen Reiskuchen, dass sie ihn nicht ganz
aufessen konnten. Ein Stück blieb übrig. Da
sagten sie: "Wer heute den ganzen Tag nicht ein
einziges Wort sagt, der soll den Reiskuchen am
Abend bekommen." |
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Nun stieg aber
bei Einbruch der Dunkelheit ein Räuber in das
Haus ein und begann in einen Sack zu stopfen,
was ihm gefiel. Der Mann sah es, seine Frau sah
es. Aber beide sagten nicht ein Wort, weil beide
den Rest des Reiskuchens bekommen wollten. Das
machte den Dieb noch frecher und er stopfe
seinen Sack ganz voll mit Beutestücken. |
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Erst als er den
Vorratsschrank aufmachte und die Schüssel mit
dem Reiskuchenrest herausnahm, da konnte es die
Frau nicht länger aushalten. Laut schrie sie:
"Aber doch nicht den Reiskuchen mitnehmen, der
ist für mich!" "Oh nein!" rief der Mann jetzt.
"Für mich ist er, denn du hast ja etwas gesagt!" |
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Und was hat der
Räuber gemacht? Er hat sich schief und krumm
gelacht. Dann gab er den beiden alles wieder -
nur den Reiskuchenrest nahm er mit. |
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[Ein lustiges
Märchen aus Japan, bearbeitet] |
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TIPP |
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Lust auf mehr Geschichten? Dann besuche uns doch einmal im Weltladen .Denn in unserer Bibliothek gibt's eine Menge spannender Kinderbücher. |
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MAIS |
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Das Geheimnis der Maismutter. |
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Kurz nachdem die Welt durch den Großen Geist der Creek
Indianer erschaffen war, ging es den Kindern des Großen
Geistes sehr schlecht. Sie hungerten. Da trat eines Tages
eine alte Frau mit langen weißen Haaren zu ihnen ans Lager.
Aber die Frauen und die Männer waren vor lauter Hunger böse
geworden und jagten sie weg. Auch die anderen Familien
jagten die hungrige Alte weg: Niemand wollte sie haben. So
kam sie zu den Leuten eines anderen Indianerstammes. Das
waren die Ärmsten. Mitleidig luden sie das alte Mütterchen
zu ihrem Lagerfeuer ein und teilten das wenige Essen mit
ihr. Dann legte sich die Alte neben das Feuer und schlief
ein. |
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Am nächsten
Morgen gingen die Männer auf die Jagd, die
Frauen machten sich auf die Suche nach Wurzeln
und Beeren. Nur die Kinder und die Alte blieben
im Lager zurück. Als nun die Jäger und die
Frauen von ihren Streifzügen zurück kamen,
erzählten die Kinder von einer köstlichen
Speise, die ihnen die alte Frau gegeben hatte.
Natürlich wollten die Indianer alles genau
wissen, aber die Alte gab ihr Geheimnis nicht
preis und nach einigen Wochen verließ sie die
Gegend. Wieder hungerten sie, aber mit der Zeit
vergaßen sie die Alte. |
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Nur ein kleiner
Junge vergaß die köstliche Speise nie. Und als
er zum Krieger herangewachsen war, machte er
sich auf den Weg, das alte Mütterchen zu suchen.
Mehrere Wochen war er schon gewandert, durch
weite öde Gegenden, da stand plötzlich die Alte
vor ihm. Er bat sie mit ihm zu kommen, zu seinem
Volk zurück zu kehren. Aber sie lehnte ab. "Ich
kann nicht bei dir bleiben", sagte sie, "doch
wenn du meinen Rat befolgst, und tust, was ich
dir auftrage, wirst du mich nie mehr vermissen."
Sie führte ihn zu einer großen Wiese am Fluss
und befahl: "Brenne das Gras ab!" Der junge
Krieger tat, was ihm geheißen wurde, und bald
schon stoben die Funken himmelhoch. Als nur noch
Asche übrig war, sagte die Alte: "Nimm mich bei
den Haaren und schleife mich kreuz und quer über
die verbrannte Erde! Überall dort, wo du mich
schleifst, wird neues Gras aus dem Boden
sprießen; zwischen den Blättern aber wirst du
mein Haar hervorschauen sehen. Wenn das der Fall
ist, sind die Samen reif. Das ist das Geheimnis
der Speise, deretwegen du so weit gewandert
bist." Nach kurzem Widerstreben machte sich der
Indianer an die Arbeit, und als er die Alte über
die Lichtung geschleift hatte, war sie aus
seinen Händen verschwunden. Es war aber die
Maismutter gewesen. Überall wuchs jetzt ein
seltsames Gras, das ihm bis über den Kopf
reichte. Und zwischen den Blättern sah er das
weiße Haar der alten Frau. Und da die Maiskolben
mit den gelben großen Körnern bis zum heutigen
Tag einen weißen Haarschopf tragen, wissen die
Indianer, dass die Maismutter sie nicht
vergessen hat. |
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[Ein Märchen der
Creek Indianer, bearbeitet] |
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TEIL 3 |
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Kleine Erzählungen über Kinder und von Kindern. |
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SANNASI |
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Sannasi geht nicht mehr zur Schule. |
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"Mama, die Schule fängt gleich an. Ich muss gehen." Eilig
sucht der 12-jährige Sannasi aus Indien seine Bücher
zusammen. Sie sind verstaubt, weil er sie lange nicht mehr
benutzt hat. Er wischt sie mit einem Tuch ab und stopft sie
in einen alten Nylonsack. Auch den Aluminiumteller für die
Schulmahlzeit packt er ein. "Sannasi, wir haben kein Salz
mehr. Lauf' noch schnell zum Laden und hole eine Packung.",
rief die Mutter. "Nein Mama, es ist schon so spät. Ich muss
gehen. Tschüss." Sannasi rennt los. Vier Monate war er nicht
zur Schule gegangen. Doch heute ist es wieder soweit und er
freut sich darauf. |
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Als er die
Schule erreicht, sind bereits alle Schüler zur
Morgenversammlung auf dem Schulhof angetreten.
Das Dach der Schule ist immer noch löchrig und
das Schild "Staatliche Grundschule" hat bereits
Rost angesetzt. Sannasi reiht sich bei den
Fünftklässlern ein, die ihn neugierig und
fragend anschauen. Sannasi schämt sich. Warum
hat er nur auf seine Mutter gehört? Sie war
dagegen, dass er weiter die Schule besucht. Nach
dem Singen der Nationalhymne gehen die Kinder
ins Klassenzimmer. |
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"Ambikabatti!"
"Er ist gekommen, Sir", sagt ein Schüler. "Was
heißt, er ist gekommen?" fragt der Lehrer
ärgerlich. "Sir, er ist unterwegs. Er soll für
den Lehrer der vierten Klasse Tee holen." "Gut.
Alahusuntharan, Mani, Raja ...?" "Sir, Raja holt
Holz für den Koch." "Abdu Hamilhu?" "Sir, der
Lehrer der 3. Klasse hat ihn zur Post
geschickt." Langsam wird der Lehrer wütend. Dann
fiel ihm ein, dass ihn seine Frau beauftragt
hatte, Petroleum zu besorgen. Griesgrämig schaute
er sich in der Klasse um. Die drei Ältesten
waren schon unterwegs. Da fiel sein Blick auf Sannasi. |
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"Na, wer sitzt
denn da hinten?" fragte er scheinheilig. "Ist
das nicht Sannasi? Was für eine Überraschung. Wo
warst du denn so lange?" Sannasi fürchtete
Prügel zu bekommen und stotterte: "Neeeein Sir,
ab heute werde ich nicht mehr fehlen. Ich komme
jetzt jeden Tag zur Schule." "Ist ja schon gut.
Ich habe eine Aufgabe für dich. Du weißt ja, wo
ich wohne, oder?" Sannasi nickt. "Gut, dann geh'
zu meinem Haus und lass dir von meiner Frau die
Rabattkarte geben und besorge etwas Petroleum!"
Sannasi atmet erleichtert auf. "Ja, Sir",
antwortet er und läuft los. Als er zum Laden
kommt, warten dort viele Leute und es dauert
lange, bis Sannasi das Petroleum zur Frau des
Lehrers gebracht hat. |
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In der Schule
hat die 3. Stunde mit Mathematik angefangen. Es
ist gerade 11 Uhr und Sannasi weiß, dass der
Lehrer um 11 eine Tasse Tee und eine Zigarette
braucht. Möglichst unauffällig schlich sich
Sannasi zu seiner Bank, doch da sagt der Lehrer
schon: "Ist das nicht Sannasi? Hol' mir schnell
eine Tasse Tee!" Sannasi läuft zum Teeladen, und
als der Lehrer den Tee getrunken hat, bringt er
das Glas wieder zum Laden zurück. Doch kaum
betrat
er das Schulhaus wieder, ruft ihn schon der
Lehrer der dritten Klasse und sagt: "Junge, hol'
mir im Laden ein paar Betelnüsse!" Als Sannasi
zurück kam, war der Mathematikunterricht zu Ende
und die letzte Stunde vor der Mittagspause hat
angefangen. Er freut sich, dass er wenigstens in
dieser Stunde etwas lernen kann. Doch da kommt
der Schulkoch herein. "Sir, zum Mittagessen gibt
es heute gekochte Eier. Die müssen alle noch
gepellt werden. Können Sie mir 2-3 Jungen
schicken?" "Ramaswamy, Sannasi, ihr beide geht!"
befiehlt der Lehrer. Und als die Jungen die 200
Eier gepellt hatten, klingelte es auch schon zur
Mittagspause. |
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Nach dem Mittag
wird der Fußboden gesäubert und um 14 Uhr fängt
nun der Nachmittagsunterricht an. Der
Naturkundelehrer hat seinen zweijährigen Sohn
mitgebracht. Mitten im Unterricht fängt dieser
an zu schreien und will Bonbons haben. Auch
dieses Mal muss Sannasi als ältester
Schüler herhalten. "Sannasi geh', kauf
meinem Sohn Bonbons und bring' ihn dann zu
seiner Großmutter nach Hause." Sannasi konnte
nicht "nein" sagen und gehorchte. Als er zur
Schule zurückkehrte, erfuhr er, dass sein
Tamil-Lehrer krank geworden ist (Tamil ist
Sannasis Muttersprache). Die Stunde fiel aus und
alle warteten auf die übernächste Stunde, die
der Direktor unterrichten wird. Doch der
Direktor trifft auf dem Weg zum Klassenraum den
Lehrer der 4. Klasse und vertieft sich in ein
Gespräch mit ihm. Er kommt nicht mehr zum
Unterrichten und schickt die Schüler spielen.
Dann ist die Schule aus. |
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Sannasi nimmt
seine Tasche und geht müde nach Hause. "So ein
Mist", schimpft er, "Nur weil ich der Älteste
bin, schicken mich die Lehrer überall hin. Zum
Lernen komme ich überhaupt nicht. Mama hat
recht. Ich kann genauso gut auf dem Feld
arbeiten. Ich verdiene sogar noch ein bisschen
Geld dabei. Nein, ich gehe nicht mehr zur
Schule." Einen Moment lang schaute Sannasi auf
seinen blauen Nylonsack. Dann wirft er ihn mit
Schwung in den Wassergraben neben der Straße und
läuft erleichtert nach Hause. |
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[Frei nach einer
Geschichte in der indischen Zeitschrift "Kalki
Malar"] |
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JOSÉ |
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José Ramón de Jesús García. |
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José Ramón ist der 14-jährige Sohn eines Kakaobauern in der Dominikanischen Republik. Sein Vater ist Mitglieder der Kleinbauernorganisation CONACADO und betreibt seit etwa 5 Jahren ökologische Landwirtschaft. Kakao wurde schon von Josés Großvater und seinem Urgroßvater angebaut. Deshalb ist José Ramón mit Kakao groß geworden. Er erzählt von seinen Lieblingsbeschäftigungen, seinem Tagesablauf und seinen Träumen. |
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"Wenn ich nach der Schule Zeit habe, spiele ich am liebsten Domino. Das spielen hier alle.", so José Ramón. Domino ist ein wahrer Volkssport in der Dominikanischen Republik, so dass es nicht verwundert, dass auch José wie alle Jungen in seinem Alter von dem Spiel begeistert sind. |
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Der Tag beginnt für José jedoch anders, mit dem Füttern der Tiere: Schweine, Hühner und Maultiere wollen versorgt sein. Diese Aufgabe erledigt er vor dem Frühstück zusammen mit seinem Bruder José Austín. Dann kehren die beiden Brüder ins Haus zurück, wo die Mutter zusammen mit der jüngeren Schwester das Frühstück zubereitet hat. "Meine Mutter kocht für uns eine leckere Schokolade mit unserem Kakao, heißem Wasser, Zucker, etwas Zimt und Ingwer. Dazu essen wir herzhafte Gerichte aus Kochbananen oder Maniokwurzeln, mit Butter und Zwiebeln." |
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Gut gestärkt macht sich José Ramón auf den Weg zur Schule, die rund dreieinhalb Kilometer von zu Hause entfernt liegt. Der Ort, in dem er lebt, heißt übrigens Yanabo, in der Gemeinde Castillo. Dorthin kehrt José nach dem Schulbesuch wieder zurück und manchmal hilft er seinem Vater auf der Finca, besonders natürlich während der Kakaoernte. Da lässt es sich José Ramóns Urgroßvater auch nicht nehmen mitzuhelfen. |
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"Später möchte ich Agraringenieur werden, " sagt José Ramón, "so wie die Mitarbeiter von CONACADO, die zu uns auf die Finca kommen und meinem Vater beim Kakaoanbau beraten. |
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Die
Mitarbeiter von CONACADO berichten, dass an den Fortbildungskursen für die Bauern gelegentlich auch die Söhne der Mitglieder teilnehmen. Zudem bietet CONACADO zehn Ausbildungsplätze für Agrartechniker an. Zwei der zehn angehenden Techniker kommen schon aus Bauernfamilien, was CONACADO sehr unterstützt. José Ramón hat also gute Chancen, seinen Traum zu verwirklichen. |
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[Aus: Kakao - Auf die Bohne fahr ich ab, GEPA 2003] |
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Die Organisation CONACADO liefert
übrigens auch einen teil des Biokakaos, den die GEPA zu Schokoladen und Schokoriegeln verarbeiten lässt. So kannst Du bei uns im Eine Welt Laden die Schokolade kaufen, an deren Kakaoernte auch José Ramón beteiligt war. |
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TEIL 4 |
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Berichte aus aller Welt. |
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TOURISTEN |
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Wenn die Touristen kommen. |
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Von den Bergen Chinas bis zu den Urwäldern Perus erfüllen sich Touristen ihre Reiseträume. Je ungewöhnlicher der Urlaubsort, desto größer der Reiz. Früher galten die Alpen als abenteuerlich. Heute müssen es die Himalayas sein oder die Anden. Aber was bedeutet das für die Menschen, die dort leben? |
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Mick Jagger, Sänger der Rolling Stones, hat eine Reise durch den Regenwald von Peru unternommen. "Unsere Gruppe kam in einer Indianersiedlung an", erzählte er nach seiner Rückkehr einem Journalisten. "Der Reiseführer forderte die Indianer auf, ihre Kleidung abzulegen und die Röcke anzuziehen, die er mitgebracht hatte. Dann drückte er einem Indianer einen Speer in die Hand und nickte mit dem Kopf. Sie sollten jetzt tanzen." |
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Indianer müssen oft tanzen, wenn Touristen kommen. Sie werden angestaunt und abfotografiert. Es interessiert viele Touristen nicht, wie die Menschen im Regenwald wirklich leben, worüber sie sich ärgern und freuen, welche Probleme sie haben. Die Urlauber aus Amerika und Europa jagen Bildern nach, die sie sich in ihren Köpfen gemacht haben: Ursprünglich sollen die Indianer sein, vielleicht auch wild und gefährlich. Und manchmal stellen sich die Indianer auch darauf ein. Sie tanzen und schwingen den Speer und kassieren dafür ein paar wenige Centavos. |
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Der Widerstand gegen diese Art von Tourismus wächst. Indianergemeinschaften am Ucayali Fluss in Peru haben schon erklärt, dass sie keine Touristen mehr auf ihrem Gebiet wollen. Wenn die Urlauber anrückten, kämen sich ihre Brüder und Schwestern wie in einem Zoo vor. Die Touristen sollten sie gefälligst in Ruhe lassen. |
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[Aus der Zeitschrift SAMSOLIDAM] |
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TARESA |
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Und dann habe ich unglaubliche Geschäfte gesehen ... |
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Taresa lebt in Berlin. Sie ist auf den Kapverden groß geworden [Inselgruppe im Westen von Afrika] und in Berlin mit einem deutschen Mann verheiratet. Was empfand sie wohl, als sie das erste Mal nach Deutschland kam? Taresa: |
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"Die erste Zeit in Deutschland dachte ich: Ave Maria, ist das hier schön, wäre ich doch nur früher hierher gekommen. (Lachen.) Und ich dachte daran, wie meine deutschen Freunde mich gewarnt haben, dass die Leute in Deutschland nicht offen zu Fremden sind, aber die Deutschen schauen mich nett an ... |
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Als ich in Berlin ankam, war mir alles sehr fremd, so weit weg von Kap Verde .Mit so vielen Bäumen, so viel Grün überall. Alle Wege, die ich gegangen bin, waren nur grün, nichts war vertrocknet. Das war ein Schock für mich im Gegensatz zur Trockenheit auf Kap Verde. Und dann habe ich unglaubliche Geschäfte gesehen. Ein großes Geschäft nur mit Schuhen! In Kap Verde könnte man in einem so großen Geschäft alles kaufen, was es überhaupt gibt. Ich war überrascht und traurig über diesen Reichtum hier, wo Kap Verde so arm ist, ohne etwas. Und dann liegt hier noch alles Mögliche auf dem Müll. Es werden Betten auf die Straße geschmissen. |
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In Kap Verde schlafen die Menschen auf dem
Boden, weil sie kein Bett haben, hier liegen die Betten im Müll. Ich habe Töpfe auf dem Müll gesehen, ich habe alles auf dem Müll gesehen: Kühlschränke, Kochherde, Teller im Müll, Tische im Müll. Es ist schlimm. Es ist traurig, dass es ein Land gibt, das gar nichts hat, und ein anderes alles im Müll hat. |
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So ein Haus wie das hier ist nicht normal für mich. Es ist ganz anders als in Kap
Verde. Hier kann ich nicht schnell aus dem Haus laufen, denn ich muss aufpassen, nicht über die Treppen zu fallen; ich muss mit den Augen auf die Treppen schauen, um einen Fuß richtig vor den anderen zu setzen. Und dann auf der Straße muss ich auch noch auf die vielen Autos aufpassen. |
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Ich schaue nach unten, jemand geht da unten, ich bin so hoch und schaue nach unten. Ich fühle mich wie gefangen, eingesperrt. Auch wenn alle diese Häuser für mich wären, wäre ich nicht so frei, wie wenn ich in einem kleinen Haus auf der Erde wohnen würde. |
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Man ist hier mehr allein als in Kap Verde. In Berlin haben wir mit niemandem in unserem Haus Kontakt. Die Nachbarn gehen auf der Straße an dir vorbei und begrüßen dich nicht einmal. Auch wenn sie genau wissen, wer du bist, gehen sie an dir vorbei mit sooo einem Gesicht, sogar im Treppenhaus. |
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Auch in der U-Bahn redet keiner miteinander. Jeder liest seine Zeitung. Auch wenn ich deutsch reden könnte, wüsste ich nicht, was ich sagen sollte, weil die Leute so ernste und traurige Gesichter machen |
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[Aus dem Film "Schwarz Weiß Malerei" von Sophie Kotanyi] |
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