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Und nun haben wir für die ein paar Geschichten aus anderen Ländern oder über Menschen anderswo. Viel Spaß beim Blättern und gute Unterhaltung auf den vier Seiten.

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TEIL 1

Zuerst geht es nach Indien.

Eine Reise nach Indien scheint wie eine Reise in eine andere Welt. Und Indiens Götterwelt ist bunt und vielfältig, wie das Leben selbst und verwirrend, wenigstens für uns Europäer. Dem Hindu sind die Götter allerdings so selbstverständlich wie das Essen und Trinken; sie gehören zum Leben einfach dazu.

Ein Teil der Menschen glaubt an verschiedene Gottheiten. Man erhofft sich Beistand von ihnen in schwierigen Lebenslagen. Glauben ist aber auch immer Mittel der Herrschenden, ihre unwissenden Untertanen auszunutzen, Macht über sie auszuüben und auf Kosten der Armen zu Reichtum zu gelangen. Viele Naturereignisse sind heute Dank der Wissenschaft aufgeklärt und man kann sie nicht auf überirdische Kräfte zurückführen. Und außerdem hat verschiedener Glauben schon viele Kriege ausgelöst.

 

HINDUS

Es gibt fast unzählig viele Götter, Geister, heilige Tiere und Pflanzen in Indien. Hinduismus ist eine indische Hauptreligion. Nicht zu vergessen der heilige Fluss Ganghes. Außerdem leben in einigen Regionen auch noch Buddhisten, Christen und Moslems.

Hoffentlich hast du herausgefunden, welcher Gott auf dem Bild oben zu sehen ist: Ganesha natürlich!

  INDISCHE GÖTTERWELT

BRAHMA ist der Schöpfer, der höchste Gott. Er hat 4 Gesichter, die in die jeweiligen Himmelsrichtungen blicken. Er sitzt in einem Streitwagen, von 7 Schwänen gezogen. In der Hand hält er einen Rosenkranz, mit dem er die Zeiten der Götter und Menschen zählt. Er lässt die Welt entstehen und ist Vater aller Lebewesen.

SARASWATI spielt auf der Harfe und reitet einen Pfau. Manchmal wird sie von Brahmas Schwänen begleitet. Sie ist die Göttin der Kunst und Weisheit. Sie wird in vielen indischen Familien sehr verehrt, so dass die Kinder gute Noten aus der Schule heim bringen mögen.

VISHNU ist mächtig, aber auch barmherzig. Er sorgt für Ordnung und Moral in der Welt. Vishnu ist Indiens zweitwichtigster Gott. Steigt Vishnu vom Himmel auf die Erde herab, um Dinge in Ordnung zu bringen, wird er als Mensch oder Tier wiedergeboren. Man nennt dies Inkarnation.

GARUDA ist Vishnus Leit- und Begleittier. Er ist der Sonnenadler und wird von den Menschen als Schlangenvernichter verehrt.

LAKSHMI ist eine schöne Frau, die auf einer Lotusblüte sitzt. Sie ist Vishnus Gemahlin und Göttin von Reichtum und Glück.

SHIVA ist der drittwichtigste indische Gott. Er ist der Zerstörer und trägt eine Halskette aus Menschenschädeln. An seinem Nacken ringelt sich eine Kobra und auf der Stirn prangt ein drittes Auge. Er sitzt halbnackt auf dem Berg Kailash und meditiert. Er ist aber nicht nur schrecklicher Gott, sondern schenkt auch Leben. So glauben die Inder, dass Zerstörung wieder neues Leben hervorbringt. Der Tod ist so ebenso Teil des Lebens wie Geburt und Liebe.

PARVATI ist die Gemahlin Shivas und gleichzeitig Totengöttin. Sie tritt in verschiedenen Gestalten auf, so oft als KALI. Sie ist blutrünstig und muss alles zerstören, da nur ewig währt, was man nicht sehen kann.

GANESHA - der Elefantengott. Er ist der beliebteste indische Gott und wohnt unmittelbar auf der Erde. Für die Inder ist er der Gott der Klugheit und des Lernens, und der im Leben Hindernisse aus dem Weg räumt. Er steht für Kraft, Erfolg und gutes Essen. Er entstand, als Shiva einem Wächter wutentbrannt den Kopf abschlug und ihm einen Elefantenkopf aufsetzte. Ganeshas Reittier ist eine Maus, vor ihm steht eine Schale mit Süßigkeiten. Einmal hatte er so viel Süßes gegessen, dass sein Bauch fast platzte. Ganesha nahm eine Schlange und band mit ihr seinen Bauch fest. Als der Mond das sah, lachte dieser. Ganesha verfluchte den Mond. Daher kommt es, dass jeder, der beim Ganesha-Fest in den Mond sieht, im folgenden Jahr einen schlechten Ruf bekommt.


 

TEIL 2

Märchen und Sagen aus Asien und Amerika findest Du auf dieser Seite.

 

REIS

Die Geschichte vom Reiskuchen.

In alter Zeit lebten zwei alte Leute in einem kleinen Haus, ein Mann und seine Frau. Sie aßen nichts lieber als Reiskuchen. Eines Tages machte die Frau so einen großen Reiskuchen, dass sie ihn nicht ganz aufessen konnten. Ein Stück blieb übrig. Da sagten sie: "Wer heute den ganzen Tag nicht ein einziges Wort sagt, der soll den Reiskuchen am Abend bekommen."

Nun stieg aber bei Einbruch der Dunkelheit ein Räuber in das Haus ein und begann in einen Sack zu stopfen, was ihm gefiel. Der Mann sah es, seine Frau sah es. Aber beide sagten nicht ein Wort, weil beide den Rest des Reiskuchens bekommen wollten. Das machte den Dieb noch frecher und er stopfe seinen Sack ganz voll mit Beutestücken.

Erst als er den Vorratsschrank aufmachte und die Schüssel mit dem Reiskuchenrest herausnahm, da konnte es die Frau nicht länger aushalten. Laut schrie sie: "Aber doch nicht den Reiskuchen mitnehmen, der ist für mich!" "Oh nein!" rief der Mann jetzt. "Für mich ist er, denn du hast ja etwas gesagt!"

Und was hat der Räuber gemacht? Er hat sich schief und krumm gelacht. Dann gab er den beiden alles wieder - nur den Reiskuchenrest nahm er mit.

[Ein lustiges Märchen aus Japan, bearbeitet]

 

TIPP

Lust auf mehr Geschichten? Dann besuche uns doch einmal im Weltladen .Denn in unserer Bibliothek gibt's eine Menge spannender Kinderbücher.

 

MAIS

Das Geheimnis der Maismutter.

Kurz nachdem die Welt durch den Großen Geist der Creek Indianer erschaffen war, ging es den Kindern des Großen Geistes sehr schlecht. Sie hungerten. Da trat eines Tages eine alte Frau mit langen weißen Haaren zu ihnen ans Lager. Aber die Frauen und die Männer waren vor lauter Hunger böse geworden und jagten sie weg. Auch die anderen Familien jagten die hungrige Alte weg: Niemand wollte sie haben. So kam sie zu den Leuten eines anderen Indianerstammes. Das waren die Ärmsten. Mitleidig luden sie das alte Mütterchen zu ihrem Lagerfeuer ein und teilten das wenige Essen mit ihr. Dann legte sich die Alte neben das Feuer und schlief ein.

Am nächsten Morgen gingen die Männer auf die Jagd, die Frauen machten sich auf die Suche nach Wurzeln und Beeren. Nur die Kinder und die Alte blieben im Lager zurück. Als nun die Jäger und die Frauen von ihren Streifzügen zurück kamen, erzählten die Kinder von einer köstlichen Speise, die ihnen die alte Frau gegeben hatte. Natürlich wollten die Indianer alles genau wissen, aber die Alte gab ihr Geheimnis nicht preis und nach einigen Wochen verließ sie die Gegend. Wieder hungerten sie, aber mit der Zeit vergaßen sie die Alte.

Nur ein kleiner Junge vergaß die köstliche Speise nie. Und als er zum Krieger herangewachsen war, machte er sich auf den Weg, das alte Mütterchen zu suchen. Mehrere Wochen war er schon gewandert, durch weite öde Gegenden, da stand plötzlich die Alte vor ihm. Er bat sie mit ihm zu kommen, zu seinem Volk zurück zu kehren. Aber sie lehnte ab. "Ich kann nicht bei dir bleiben", sagte sie, "doch wenn du meinen Rat befolgst, und tust, was ich dir auftrage, wirst du mich nie mehr vermissen." Sie führte ihn zu einer großen Wiese am Fluss und befahl: "Brenne das Gras ab!" Der junge Krieger tat, was ihm geheißen wurde, und bald schon stoben die Funken himmelhoch. Als nur noch Asche übrig war, sagte die Alte: "Nimm mich bei den Haaren und schleife mich kreuz und quer über die verbrannte Erde! Überall dort, wo du mich schleifst, wird neues Gras aus dem Boden sprießen; zwischen den Blättern aber wirst du mein Haar hervorschauen sehen. Wenn das der Fall ist, sind die Samen reif. Das ist das Geheimnis der Speise, deretwegen du so weit gewandert bist." Nach kurzem Widerstreben machte sich der Indianer an die Arbeit, und als er die Alte über die Lichtung geschleift hatte, war sie aus seinen Händen verschwunden. Es war aber die Maismutter gewesen. Überall wuchs jetzt ein seltsames Gras, das ihm bis über den Kopf reichte. Und zwischen den Blättern sah er das weiße Haar der alten Frau. Und da die Maiskolben mit den gelben großen Körnern bis zum heutigen Tag einen weißen Haarschopf tragen, wissen die Indianer, dass die Maismutter sie nicht vergessen hat.

[Ein Märchen der Creek Indianer, bearbeitet]


 

TEIL 3

Kleine Erzählungen über Kinder und von Kindern.

 

SANNASI

Sannasi geht nicht mehr zur Schule.

"Mama, die Schule fängt gleich an. Ich muss gehen." Eilig sucht der 12-jährige Sannasi aus Indien seine Bücher zusammen. Sie sind verstaubt, weil er sie lange nicht mehr benutzt hat. Er wischt sie mit einem Tuch ab und stopft sie in einen alten Nylonsack. Auch den Aluminiumteller für die Schulmahlzeit packt er ein. "Sannasi, wir haben kein Salz mehr. Lauf' noch schnell zum Laden und hole eine Packung.", rief die Mutter. "Nein Mama, es ist schon so spät. Ich muss gehen. Tschüss." Sannasi rennt los. Vier Monate war er nicht zur Schule gegangen. Doch heute ist es wieder soweit und er freut sich darauf.

Als er die Schule erreicht, sind bereits alle Schüler zur Morgenversammlung auf dem Schulhof angetreten. Das Dach der Schule ist immer noch löchrig und das Schild "Staatliche Grundschule" hat bereits Rost angesetzt. Sannasi reiht sich bei den Fünftklässlern ein, die ihn neugierig und fragend anschauen. Sannasi schämt sich. Warum hat er nur auf seine Mutter gehört? Sie war dagegen, dass er weiter die Schule besucht. Nach dem Singen der Nationalhymne gehen die Kinder ins Klassenzimmer.

"Ambikabatti!" "Er ist gekommen, Sir", sagt ein Schüler. "Was heißt, er ist gekommen?" fragt der Lehrer ärgerlich. "Sir, er ist unterwegs. Er soll für den Lehrer der vierten Klasse Tee holen." "Gut. Alahusuntharan, Mani, Raja ...?" "Sir, Raja holt Holz für den Koch." "Abdu Hamilhu?" "Sir, der Lehrer der 3. Klasse hat ihn zur Post geschickt." Langsam wird der Lehrer wütend. Dann fiel ihm ein, dass ihn seine Frau beauftragt hatte, Petroleum zu besorgen. Griesgrämig schaute er sich in der Klasse um. Die drei Ältesten waren schon unterwegs. Da fiel sein Blick auf Sannasi.

"Na, wer sitzt denn da hinten?" fragte er scheinheilig. "Ist das nicht Sannasi? Was für eine Überraschung. Wo warst du denn so lange?" Sannasi fürchtete Prügel zu bekommen und stotterte: "Neeeein Sir, ab heute werde ich nicht mehr fehlen. Ich komme jetzt jeden Tag zur Schule." "Ist ja schon gut. Ich habe eine Aufgabe für dich. Du weißt ja, wo ich wohne, oder?" Sannasi nickt. "Gut, dann geh' zu meinem Haus und lass dir von meiner Frau die Rabattkarte geben und besorge etwas Petroleum!" Sannasi atmet erleichtert auf. "Ja, Sir", antwortet er und läuft los. Als er zum Laden kommt, warten dort viele Leute und es dauert lange, bis Sannasi das Petroleum zur Frau des Lehrers gebracht hat.

In der Schule hat die 3. Stunde mit Mathematik angefangen. Es ist gerade 11 Uhr und Sannasi weiß, dass der Lehrer um 11 eine Tasse Tee und eine Zigarette braucht. Möglichst unauffällig schlich sich Sannasi zu seiner Bank, doch da sagt der Lehrer schon: "Ist das nicht Sannasi? Hol' mir schnell eine Tasse Tee!" Sannasi läuft zum Teeladen, und als der Lehrer den Tee getrunken hat, bringt er das Glas wieder zum Laden zurück. Doch kaum betrat er das Schulhaus wieder, ruft ihn schon der Lehrer der dritten Klasse und sagt: "Junge, hol' mir im Laden ein paar Betelnüsse!" Als Sannasi zurück kam, war der Mathematikunterricht zu Ende und die letzte Stunde vor der Mittagspause hat angefangen. Er freut sich, dass er wenigstens in dieser Stunde etwas lernen kann. Doch da kommt der Schulkoch herein. "Sir, zum Mittagessen gibt es heute gekochte Eier. Die müssen alle noch gepellt werden. Können Sie mir 2-3 Jungen schicken?" "Ramaswamy, Sannasi, ihr beide geht!" befiehlt der Lehrer. Und als die Jungen die 200 Eier gepellt hatten, klingelte es auch schon zur Mittagspause.

Nach dem Mittag wird der Fußboden gesäubert und um 14 Uhr fängt nun der Nachmittagsunterricht an. Der Naturkundelehrer hat seinen zweijährigen Sohn mitgebracht. Mitten im Unterricht fängt dieser an zu schreien und will Bonbons haben. Auch dieses Mal muss Sannasi als ältester Schüler herhalten. "Sannasi geh', kauf meinem Sohn Bonbons und bring' ihn dann zu seiner Großmutter nach Hause." Sannasi konnte nicht "nein" sagen und gehorchte. Als er zur Schule zurückkehrte, erfuhr er, dass sein Tamil-Lehrer krank geworden ist (Tamil ist Sannasis Muttersprache). Die Stunde fiel aus und alle warteten auf die übernächste Stunde, die der Direktor unterrichten wird. Doch der Direktor trifft auf dem Weg zum Klassenraum den Lehrer der 4. Klasse und vertieft sich in ein Gespräch mit ihm. Er kommt nicht mehr zum Unterrichten und schickt die Schüler spielen. Dann ist die Schule aus.

Sannasi nimmt seine Tasche und geht müde nach Hause. "So ein Mist", schimpft er, "Nur weil ich der Älteste bin, schicken mich die Lehrer überall hin. Zum Lernen komme ich überhaupt nicht. Mama hat recht. Ich kann genauso gut auf dem Feld arbeiten. Ich verdiene sogar noch ein bisschen Geld dabei. Nein, ich gehe nicht mehr zur Schule." Einen Moment lang schaute Sannasi auf seinen blauen Nylonsack. Dann wirft er ihn mit Schwung in den Wassergraben neben der Straße und läuft erleichtert nach Hause.

[Frei nach einer Geschichte in der indischen Zeitschrift "Kalki Malar"]

 

JOSÉ

José Ramón de Jesús García.

José Ramón ist der 14-jährige Sohn eines Kakaobauern in der Dominikanischen Republik. Sein Vater ist Mitglieder der Kleinbauernorganisation CONACADO und betreibt seit etwa 5 Jahren ökologische Landwirtschaft. Kakao wurde schon von Josés Großvater und seinem Urgroßvater angebaut. Deshalb ist José Ramón mit Kakao groß geworden. Er erzählt von seinen Lieblingsbeschäftigungen, seinem Tagesablauf und seinen Träumen.

"Wenn ich nach der Schule Zeit habe, spiele ich am liebsten Domino. Das spielen hier alle.", so José Ramón. Domino ist ein wahrer Volkssport in der Dominikanischen Republik, so dass es nicht verwundert, dass auch José wie alle Jungen in seinem Alter von dem Spiel begeistert sind.

Der Tag beginnt für José jedoch anders, mit dem Füttern der Tiere: Schweine, Hühner und Maultiere wollen versorgt sein. Diese Aufgabe erledigt er vor dem Frühstück zusammen mit seinem Bruder José Austín. Dann kehren die beiden Brüder ins Haus zurück, wo die Mutter zusammen mit der jüngeren Schwester das Frühstück zubereitet hat. "Meine Mutter kocht für uns eine leckere Schokolade mit unserem Kakao, heißem Wasser, Zucker, etwas Zimt und Ingwer. Dazu essen wir herzhafte Gerichte aus Kochbananen oder Maniokwurzeln, mit Butter und Zwiebeln."

Gut gestärkt macht sich José Ramón auf den Weg zur Schule, die rund dreieinhalb Kilometer von zu Hause entfernt liegt. Der Ort, in dem er lebt, heißt übrigens Yanabo, in der Gemeinde Castillo. Dorthin kehrt José nach dem Schulbesuch wieder zurück und manchmal hilft er seinem Vater auf der Finca, besonders natürlich während der Kakaoernte. Da lässt es sich José Ramóns Urgroßvater auch nicht nehmen mitzuhelfen.

"Später möchte ich Agraringenieur werden, " sagt José Ramón, "so wie die Mitarbeiter von CONACADO, die zu uns auf die Finca kommen und meinem Vater beim Kakaoanbau beraten.

Die Mitarbeiter von CONACADO berichten, dass an den Fortbildungskursen für die Bauern gelegentlich auch die Söhne der Mitglieder teilnehmen. Zudem bietet CONACADO zehn Ausbildungsplätze für Agrartechniker an. Zwei der zehn angehenden Techniker kommen schon aus Bauernfamilien, was CONACADO sehr unterstützt. José Ramón hat also gute Chancen, seinen Traum zu verwirklichen.

[Aus: Kakao - Auf die Bohne fahr ich ab, GEPA 2003]

Die Organisation CONACADO liefert übrigens auch einen teil des Biokakaos, den die GEPA zu Schokoladen und Schokoriegeln verarbeiten lässt. So kannst Du bei uns im Eine Welt Laden die Schokolade kaufen, an deren Kakaoernte auch José Ramón beteiligt war.


 

TEIL 4

Berichte aus aller Welt.

 

TOURISTEN

Wenn die Touristen kommen.

Von den Bergen Chinas bis zu den Urwäldern Perus erfüllen sich Touristen ihre Reiseträume. Je ungewöhnlicher der Urlaubsort, desto größer der Reiz. Früher galten die Alpen als abenteuerlich. Heute müssen es die Himalayas sein oder die Anden. Aber was bedeutet das für die Menschen, die dort leben?

Mick Jagger, Sänger der Rolling Stones, hat eine Reise durch den Regenwald von Peru unternommen. "Unsere Gruppe kam in einer Indianersiedlung an", erzählte er nach seiner Rückkehr einem Journalisten. "Der Reiseführer forderte die Indianer auf, ihre Kleidung abzulegen und die Röcke anzuziehen, die er mitgebracht hatte. Dann drückte er einem Indianer einen Speer in die Hand und nickte mit dem Kopf. Sie sollten jetzt tanzen."

Indianer müssen oft tanzen, wenn Touristen kommen. Sie werden angestaunt und abfotografiert. Es interessiert viele Touristen nicht, wie die Menschen im Regenwald wirklich leben, worüber sie sich ärgern und freuen, welche Probleme sie haben. Die Urlauber aus Amerika und Europa jagen Bildern nach, die sie sich in ihren Köpfen gemacht haben: Ursprünglich sollen die Indianer sein, vielleicht auch wild und gefährlich. Und manchmal stellen sich die Indianer auch darauf ein. Sie tanzen und schwingen den Speer und kassieren dafür ein paar wenige Centavos.

Der Widerstand gegen diese Art von Tourismus wächst. Indianergemeinschaften am Ucayali Fluss in Peru haben schon erklärt, dass sie keine Touristen mehr auf ihrem Gebiet wollen. Wenn die Urlauber anrückten, kämen sich ihre Brüder und Schwestern wie in einem Zoo vor. Die Touristen sollten sie gefälligst in Ruhe lassen.

[Aus der Zeitschrift SAMSOLIDAM]

 

TARESA

Und dann habe ich unglaubliche Geschäfte gesehen ...

Taresa lebt in Berlin. Sie ist auf den Kapverden groß geworden [Inselgruppe im Westen von Afrika] und in Berlin mit einem deutschen Mann verheiratet. Was empfand sie wohl, als sie das erste Mal nach Deutschland kam? Taresa:

"Die erste Zeit in Deutschland dachte ich: Ave Maria, ist das hier schön, wäre ich doch nur früher hierher gekommen. (Lachen.) Und ich dachte daran, wie meine deutschen Freunde mich gewarnt haben, dass die Leute in Deutschland nicht offen zu Fremden sind, aber die Deutschen schauen mich nett an ...

Als ich in Berlin ankam, war mir alles sehr fremd, so weit weg von Kap Verde .Mit so vielen Bäumen, so viel Grün überall. Alle Wege, die ich gegangen bin, waren nur grün, nichts war vertrocknet. Das war ein Schock für mich im Gegensatz zur Trockenheit auf Kap Verde. Und dann habe ich unglaubliche Geschäfte gesehen. Ein großes Geschäft nur mit Schuhen! In Kap Verde könnte man in einem so großen Geschäft alles kaufen, was es überhaupt gibt. Ich war überrascht und traurig über diesen Reichtum hier, wo Kap Verde so arm ist, ohne etwas. Und dann liegt hier noch alles Mögliche auf dem Müll. Es werden Betten auf die Straße geschmissen.

In Kap Verde schlafen die Menschen auf dem Boden, weil sie kein Bett haben, hier liegen die Betten im Müll. Ich habe Töpfe auf dem Müll gesehen, ich habe alles auf dem Müll gesehen: Kühlschränke, Kochherde, Teller im Müll, Tische im Müll. Es ist schlimm. Es ist traurig, dass es ein Land gibt, das gar nichts hat, und ein anderes alles im Müll hat.

So ein Haus wie das hier ist nicht normal für mich. Es ist ganz anders als in Kap Verde. Hier kann ich nicht schnell aus dem Haus laufen, denn ich muss aufpassen, nicht über die Treppen zu fallen; ich muss mit den Augen auf die Treppen schauen, um einen Fuß richtig vor den anderen zu setzen. Und dann auf der Straße muss ich auch noch auf die vielen Autos aufpassen.

Ich schaue nach unten, jemand geht da unten, ich bin so hoch und schaue nach unten. Ich fühle mich wie gefangen, eingesperrt. Auch wenn alle diese Häuser für mich wären, wäre ich nicht so frei, wie wenn ich in einem kleinen Haus auf der Erde wohnen würde.

Man ist hier mehr allein als in Kap Verde. In Berlin haben wir mit niemandem in unserem Haus Kontakt. Die Nachbarn gehen auf der Straße an dir vorbei und begrüßen dich nicht einmal. Auch wenn sie genau wissen, wer du bist, gehen sie an dir vorbei mit sooo einem Gesicht, sogar im Treppenhaus.

Auch in der U-Bahn redet keiner miteinander. Jeder liest seine Zeitung. Auch wenn ich deutsch reden könnte, wüsste ich nicht, was ich sagen sollte, weil die Leute so ernste und traurige Gesichter machen

[Aus dem Film "Schwarz Weiß Malerei" von Sophie Kotanyi]

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